Geschichte der Kirche

Die Geschichte des Dorfes Tiegenhagen, heute Cyganek, ist eine faszinierende Geschichte von Menschen, die über Generationen mit dem Element Wasser gekämpft haben. Sie trockneten immer wieder überflutete Gebiete und jedes Jahr entrissen dem Wasser weitere Quadratkilometer Landes. Sie kämpften auch noch dazu mit einem anderen schrecklichen Element: mit der Politik, oder besser gesagt mit deren Folgen. Die St. Nikolai Kirche liegt auf dem linken Ufer des Flusses Tuga (Tiege) in einem Dorf, das bei der Gründung den Namen „Thuenhain“ bekamm. Die Gründungsurkunde ist kurz nach der Verleihung verloren gegangen. Es ist also unmöglich ein genaues Gründungsjahr festzustellen. Doch wenn man die Urkunden der Nachbardörfer berücksichtigt, fällt die organisierte und rechtlich bewilligte Besiedlung auf die 30-er Jahre des XIV Jhdt.

Erste erhaltene Urkunde für das Dorf „Thuenhain“ ist eine Bestätigung der Gründungsurkunde nach kulmischem Recht. Ausgestellt wurde sie durch die Kanzelei des Großen Meisters Winrich von Kniprode am 12. August 1352. Aus dem Dokument schließen wir das die Besiedlung des Dorfes schon abgeschlossen war. Das Dorfgebiet umfasste 60 Hufen Land, darunter 6 Hufen des Schulzen und 4 der Kirche. Diese Urkunde erlaubt auch den Bau der St. Nikolei Kirche.

Im Gebiet des Großen Werders im Weichseldelta, in der protestantischer Provinz Ostpreußens gab es bis 1945 nur zwei römisch-katholische Kirchen. Eine von denen war die St. Nikolei Kirche in Tiegenhagen (Cyganek). Sie stand in einer Flussschleife der Tiege (Tuga), etwa 60 Meter vom Deich entfernt. Technische Begebenheiten – geringe Festigkeit des Grundes ließ die Errichtung eines massiven Glockenturm nicht zu. Auf einem niedrigem Unterbau aus Ziegeln baute man nur einen kleinen hölzernen Glockenturm.

Durch die Verbreitung der lutherischen Kirche und Massenkonvertierung zum neuen Glauben wurde im Jahre 1574 die katholische Kirche von protestantischer Gemeinde übernommen. Nach dem Königsbeschluss aus dem 7.09.1629 wurde die Kirche wieder der römisch-katholischen Kirche übergeben. Zahlreiche Überschwemmungen zwangen die Bewohner den um die Kirche umliegenden Grund um etwa einen halben Meter zu erhöhen. Damals wurde auch der Kirchenfußboden im Inneren der Kirche erhöht. Diese Arbeiten wurden zwischen 1637 und 1947 durchgeführt. Auch wurden die langen Wände mit Wandriegeln und die westliche Wand erneuert. Teilweise wurden Ziegeln des Unterbaus des Turms erneuert. Aus dem ursprünglichem Bau blieben der gotische östliche Giebel und der Unterbau des nicht mehr vorhandenen Turmes mit gotischem Portal.

Im 1687 nahm Schulze Peter Conradt aus Petershagen (Żelichowo), der als Bauleiter tätig war, den Turm auseinander und ihn wieder aus neuen Materialien aufbaute. Später wurde der Turm noch zwei Mal renoviert. Durch ein Sturm im März 1768 beschädigt wurde er im August 1768 erneuert. Im 1846 hat man die Renovierung des Turmes durchgeführt und ihn mit neuen Schindeln versehen. An der Südwand hat man die Sakristei gebaut. Ähnliche Arbeiten wurden am Turm im Jahr 1912 durchgeführt. 1944 wurde der Turm auseinander gebaut. Der Grund war die immer näher rückende Front – dadurch hat man ein Orientierungspunkt liquidiert.

Vor dem Kircheneingang ist ein Kreuz zur Erinnerung an die Franziskaner Mission im 1914.


Es blieb ungeklärt wie und wann verschwand ein Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des 1. Weltkrieges. Vor dem 1945 gab es diese Denkmäler in jedem Ort.

Beschreibung der Kirche

Wie schon erwähnt, ist die Kirche in einem Niederung, im Mäander der Tiege, gleich an der Landstrasse 502 die nach Nowy Dwór Gdański (ehem.Tiegenhof) führt platziert; etwa 3 km nördlich von Nowy Dwór Gdański.


Die Kirche ist nach Achse Ost-West ausgerichtet. Der Baukörper der Kirche entstand in Folge der Renovierung im 1622 und des Krieges im 1945. Daher die Unterschiede in verwendeter Technik.

Auf dem Ostfront der Kirche wurde ein Stift angebracht, der die Höhe des Meeresspiegels anzeigt. Der Grund um die Kirche und um den Kirchenfussboden ist ca. 0,7 m unter dem Meeresspiegel.

Ikonostase

Der Hochaltar wurde 1730 errichtet und 1737 für 250 Gulden vergoldet. Das Hauptbild im Hochaltar stellt Maria als Königin des Rosenkranzes dar, oben ein „Ecce Homo“ – Bild.

Die Seitenaltäre wurden durch einen Danziger Bildhauer, Meister Wichert, geschnitzt. In den nächsten Jahren wurden sie vergoldet und bemalt. In den Büchern seit 1752 findet man den Maler Kucz als den Goldschmiede. Am 15 November erfolgte dann die letzte Zahlung.

Der nördliche Seitenaltar ist dem heiligen Nikolaus geweiht. Der südliche ist der Maria gewidmet und hat im Hauptbild die Geburt Christi und darüber die Verkündung Christi.

Die hölzerne Decke ist mit Polychromie und Staturen versehen. Über den Hochaltar ist die Dreieinigkeit: Gottvater, Christus mit Kreuz und Taube umgeben von Engeln dargestellt. An der Westseite sehen wir ein Lamm auf einem Buch mit 7 Siegeln. Maria, Elisabeth, Anna, Johannes der Täufer, Joseph und Joachim sind links und rechts vom hängendem Kruzifix aus 1750. Auf der Ostseite über die Orgel sehen wir den heiligen Nikolaus, den Schutzpatron der Kirche.

Kopfbänder wurden genauso wie die Decke verschalt – so wurde eine Randwölbung gebildet. Auf der Ostseite der Decke sehen wir die Heiligen mit Engeln, die von einer Brüstung herabschauen. Auf der Südseite sehen wir: Adam, Eva, Noah, Melchisedek, Aaron, Josua, Gideon, Magdalena, Petrus, Jakobus der Ältere, Thomas, Matthäus, Philippus, Jakobus der Jüngere, Markus, Lukas und Matthäus.

Auf der Nordseite sehen wir vom Osten beginnend: Simeon, Jesajas, Simon von Kyrene, Joseph von Arimathia, Veronika, Andreas, Johannes, Judas, Thaddäus, Bartholomäus, Simon, Petrus, Laurentius und Stephanus.

Die Kanzel wurde in den Jahren 1747-1748 gebaut. Auf der Brüstung ist Pauli Bekehrung dargestellt und Christus als Weltenrichter. Auf der Wand ist ein Gemälde mit dem zwölfjährigen Jesus im Tempel. Auf dem Deckel wurden am Rande kleine Soldatenfiguren geschnitzt: rechts römische Legionensoldaten, links sächsisch-polnische Infanteristen aus etwa 1750.

Der Orgelprospekt hat in den Füllengen der Brüstung Bilder: Verkündung, Geburt, Darstellung im Tempel am Ölberg, Kreuztragung und Grablegung. Die Orgel ist dreitürmig mit geschnitzten Seiten.

Ölbilder entstanden zur Zeiten des Dekan Mocki. Aus den Finanzbüchern und dem Kirchenarchiv wissen wir, dass der Maler Wichert aus Mehlsack 1751 für die Gemälden außer Gold und Farbe, 400 Gulden bekam.

Nach dem Entscheid des Denkmalschutzamtes in Gdańsk aus dem 25.09.1961 wurde die Kirche in den Denkmalregister eingetragen unter der Nummer 126/N eingetragen, neue Registrierungsnummer ist 236.

Seit 1952 wurde die Kirche von zwei Kirchengemeinden benutzt: griechisch- und römisch-katholisch. Seit 2002 ist sie Eigentum der griechisch-katholischen Gemeinde. 2006 wurde die Prozedur angefangen Geld für die Renovierung des Kirchendachs zu beschaffen (Kirchenfond in dem Religionsdepartament im Innenministerium, 2007 Marschallamt der Pommerschen Woiwodschaft).

In der Kirche ist einzigartige im Großen Werder, originelle Innenausstattung, meist aus dem 17. – 18 Jhdt. erhalten geblieben.

Die Kirche ist der einzige Ort des griechisch-katholischen Kultes im Großen Werder. Ebenso ist sie ein wichtiger Integrationspunkt der ukrainischen Gemeinschaft, die während der Aktion „Wisła“ umgesiedelt wurde. Die Kirchengemeinde umfasst den ganzen Kreis Nowy Dwór Gdański.